Es geht doch tatsächlich weiter – weil mich diese Geschichte nicht losläßt!

Als ich Das verschollene Tor schrieb, war es der Spaß an der Geschichte überhaupt, und die Neugier, die mich dazu trieb einfach drauflos zu schreiben. Und wie es mit allen ersten Büchern so ist, es war nicht einfach der Geschichte zu folgen, neue Ideen zu bekommen. So tat ich das, was ich bei Geschichten immer tue, ich folgte einfach meinen Charakteren. Und so wie es bei ersten Büchern ist, wo noch nicht klar ist, ob sie mal einen Nachfolger bekommen werden, der die ganzen Fragen klärt die einem beim Lesen vielleicht oder sogar ganz sicher kommen, so erging es mir auch mit diesem Buch. Heute ärgere ich mich darüber, dass ich es nicht als Reihe oder Chronik oder wie auch immer herausgebracht habe. So könnte ich jetzt das Buch „Das verschollene Tor Teil 2“ nennen. Aber dem ist nicht so, und ich habe nicht damit gerechnet, dass Isa und Alex noch einmal bei mir anklopfen würden. Aber eines Tages standen sie vor der Tür. Und da hatte ich den Salat mit dem Folgeband. Nun ist mir der Titel der neuen Geschichte noch nicht so ganz klar. Wobei ich ihn im tiefsten Inneren meines Herzens schon lange kenne. Aber noch nicht verrate.Hingegen verrate ich euch ein wenig von dem, was ich  bereits auf meinem PC gespeichert habe. Allerdings sind es erst Rohlinge, die ich noch bearbeiten will. Aber als kleiner Vorgucker sind sie sicherlich schon tauglich. Als viel Spaß beim Vorgucken!

……………

Es war ein wunderschöner Morgen, die Sonne kritzelte Lillis Nasenspitze. Sie reckte sich, und warf gleichzeitig ihre Bettdecke beiseite. Denn sie hasste es im Bett zu bleiben, während es draußen im Sonnenschein doch so viel zu entdecken gab. Sie warf sich ein blaues T-Shirt über und schlüpfte in ihre Lieblings- Hose. Ein kurzer Blick in den Spiegel, aus der Lilly ein schmales Gesicht endgegen blickte. Die grünen zuweilen angriffslustigen Augen schauten ebenfalls daraus hervor. Lilly kämmte ihre widerspenstigen roten Haare, die immer ungekämmt aussahen. Sie trug es mit Fassung. „Das wäre geschafft! Jetzt aber raus hier, es ist einfach viel zu langweilig hier drinnen.“

Lilly stolperte die lange schmale Treppe hinunter, und sprang die letzten Stufen herunter. Das tat sie immer, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter. „Du weckst mal wieder das ganze Haus, schimpfte diese, und rieb sich die Augen. Lilly lief  kichernd in die Küche. Die grünen Augen ihrer Mutter schauten ihr teils böse, teils belustigt hinterher. „Ja so war ich auch mal.“  Seufzte sie und ging wieder zurück in ihr Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Als sie wieder herauskam hörte sie schon ein Rumoren in der Küche, und der Duft von frischem Rührei stieg ihr in die Nase. Kopfschüttelnd betrat sie die Küche. Sie fand ihre Tochter vor dem Herd vor, wo sie gewissenhaft in einer gusseisernen Pfanne rührte. Schmunzelnd machte sich Isa am Kühlschrank zu schaffen, und deckte den Tisch. Das hatte Lilly wohl in ihrer Eile vergessen. Sie nahm es hin, denn sie wusste wie viele Gedanken ihrer Tochter täglich im Kopf herumschwirrten.

Lilly war eine Träumerin, genau wie sie damals. Deshalb verstand Isa ihre Tochter ja so gut. Sie war nicht viel anders gewesen, und sie war um eine Erfahrung reicher als ihre Tochter. Sie wusste, dass es durchaus Dinge gab, die man nicht glauben konnte, weil es sie einfach nicht geben durfte. Oft dachte sie wehmütig an die Zeit zurück, als Alex, der nun ihr Mann war den fremden Mann im Garten gefunden hatte. „Elben eben, typisch für sie,  und nun ist wieder alles normal.“ Seufzte Isa. „Was?“ Fragte Lilly über die Schulter hinweg.  Isa zuckte erschrocken zusammen. Sie wusste wie fasziniert ihre Tochter von fremden Welten und Wesen war, die es nicht gab. Da war sie nicht viel anders als sie selbst. „Das glaube ich nicht Mama, du sagst nicht einfach so was daher. Nein, nein! So bist du nicht.“ Isa lächelte ihre Tochter warmherzig an. Zwinkerte ihr zu und wandte sich dann wieder dem Frühstückstisch zu. Im ersten Stock rührte sich etwas. Es polterte etwas hart auf den Boden. Isa und Lilly schauten beide erschrocken nach oben. Lilly war mit ein paar Sätzen oben an der Treppe. Vergessen war das Rührei in der Pfanne, sie war viel zu neugierig und wollte wissen was dort oben geschehen war. Isa nahm geistesgegenwärtig die Pfanne vom Herd, und stellte das Rührei warm. Bezweifelte aber, dass es hinterher noch schmecken würde. Dann folgte sie ihrer Tochter in den ersten Stock. Im ersten Moment konnte sie nichts ungewöhnliches entdecken. Es war alles wie immer. Sie steuerte auf Laurins Zimmer zu. Aber dort war ihr fünfjähriger Sohn nicht. Sie stutzte und dann hörte sie auch schon ihre Tochter Lilly über ihr rufen. „Mama, hier oben, Laurin ist hier oben gewesen, und hat ein Regal umgestürzt!“ „Um Gottes Willen. Kann dieser Junge nicht einfach mal normal wie andere Kinder spielen? Muss er immer überall herumturnen?“ Ärgerlich stieg Isa die schmale Treppe zum Dachboden hoch. Dort sah sie ihren Sohn auf dem Boden hocken. Er hielt sich das Knie und weinte. Isa schüttelte den Kopf, und wandte sich aber dennoch liebevoll ihrem Sohn zu. „Alles in Ordnung?“ erkundigte sie sich mit sorgenvollem Blick. Laurin nickte nur stumm, während ihm kleine runde Tränen die Wange herunter liefen. „Was machst du hier eigentlich, zu dieser frühen Zeit?“ Fragte sie streng, konnte sich aber ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. „Ich hab was geträumt, und ich wollte nach dem suchen was ich im Traum gesehen hab. Aber ich hab es nicht gefunden. Aber auf dem Regal oben, da steht ein großer Kasten, den wollte ich haben.“ Entschuldigte sich Laurin und blickte schuldbewusst zu Boden. Lilly stand plötzlich vor den beiden, in den Händen hielt sie einen kleinen hölzernen Kasten. Er war bunt bemalt. Er trug Blüten und Blätter, aber er war schon so alt, dass die Farbe schon an einigen Stellen abgeblättert war. Isa schaute ihre Tochter plötzlich erschrocken an, und nahm ihr energisch den Kasten aus der Hand. „Das ist nichts für  dich.“…………….

Aber an diesem Morgen sollte Isa die Vergangenheit endgültig einholen, doch sie ahnte davon noch nichts. Alle saßen um den Frühstückstisch herum. Es war schon spät, und alle beeilten sich, damit sie pünktlich zur Schule, in den Kindergarten und zur Arbeit kamen. Gemeinsam verließen sie das Haus und steuerten auf das Auto zu. Plötzlich blieb Lilly mitten auf dem Weg stehen. Sie hielt sich den Bauch und schaute mit gequältem Gesicht zu ihrer Mutter herüber. Isa kam zu ihrer Tochter und fragte besorgt: „Was ist Kind, ist dir nicht gut?“ Lilly schüttelte den Kopf. „Kann ich bitte hier bleiben? Mir ist so furchtbar übel. Ich stelle auch nichts an Mama, dafür geht es mir sowieso zu schlecht.“ Lilly schaute ihre Mutter flehend an. Isa überlegte eine Weile, stellte dann aber fest, das ihr wohl nichts anderes übrig blieb, als ihre Tochter alleine zu Hause zu lassen. Sie waren alle sowieso schon spät dran, und so nickte sie nur kurz ihrer Tochter zu, gab ihr den Hausschlüssel, falls sie doch einmal vor die Tür wollte. Isa winkte ihrer Tochter noch kurz zu und verschwand dann im Wageninneren, wo Alex schon ungeduldig auf das Lenkrad trommelte. „Was ist das bloß morgens immer für ein Theater, ich komme ständig zu spät zur Arbeit weil immer irgendetwas ist.“ Schnaubte er ärgerlich, ließ den Motor an, und der kleine Wagen setzte sich in Bewegung. Als das Auto um die Ecke gebogen war, machte  Lillys Herz einen kleinen Luftsprung. Sie straffte sich und ging vergnügt grinsend ins Haus. „Endlich allein, und endlich stört mich niemand. Ich habe also genug Zeit um endlich einmal nach dem Rechten zu sehen.“ Freute sich Lilly und rieb sich die Hände. Vergessen waren die Bauchschmerzen, die sie in Wirklichkeit nicht hatte. Sie war froh, dass ihr Plan aufgegangen war. Von einer unsichtbaren Kraft getrieben, so wäre es sicherlich dem ein oder anderen vorgekommen, der das Mädchen beobachtet hätte, lief Lilly durch das Haus. Ab und an hielt sie inne und schien in sich hinein zu horchen. Dann begann sie ihre Suche. Diesmal nach einem bestimmten Plan. Zuerst ging sie auf den Speicher, wo im Sommer das Regal umgestürzt war, und um ein Haar ihren kleinen Bruder verletzt hatte. Sie durchstreifte den Raum, fand aber nur allerhand Gerümpel, altes Spielzeug, Kartons mit Zeitungen, und einiges anderes unnütze Zeug. „Hier ist es also nicht, also das nächste Zimmer.“ Dachte Lilly im Stillen und stapfte durchs ganze Haus. Im Schlafzimmer der Eltern angekommen stutzte sie zunächst, sie hatte dort nie etwas genommen, ohne ihre Eltern zu fragen. Aber nun waren ihre Gedanken ganz dabei nach etwas zu suchen, was sie schon lange begehrte. Ihre Neugier hatte sie immer und immer wieder schlaflos durchs Haus wandern lassen. Und manchmal sah sie den Gegenstand im Traum vor sich. Aber immer, wenn sie danach greifen wollte, verschwand alles im nichts.

Auch die Suche im Keller und in den übrigen Räumen blieb erfolglos. Lilly setzte sich resigniert auf die unterste Treppenstufe im Flur. Sie stützte den Kopf in beide Hände und dachte angestrengt nach. Dann schnappte sie sich ihren Schlüssel und ging einer plötzlichen Eingebung folgend in den großen Stall hinüber. Sie kletterte die kleine Leiter zum Heuboden hinauf. Sie durchwühlte das Heu, und auch wenn es kratzte und pikste, sie fand dort nichts. Plötzlich wäre sie fast in eine kleine Vertiefung gerutscht. Sie war nur so klein, das ihre Fußspitze darin verschwinden konnte, aber doch groß genug, um sie ins Stolpern zu bringen. Lilly bückte sich und sah das etwas in dem Zwischenraum unter der Öffnung lag. Mit aller Kraft drückte sie den Balken, der darüber lag beiseite, und endlich kam das zum Vorschein, wonach das Mädchen schon die ganze Zeit gesucht hatte. Ein Holzkasten, mit Blüten und Blättern verziert. Aufgeregt stellte sie den Kasten vor sich hin. Dann hielt sie den Atem an und öffnete den Kasten. Zunächst war Lilly enttäuscht, denn dort lag nur ein kleiner Beutel, und daneben ein in braunes Leder gebundenes Tagebuch. Es hatte goldene Ecken. Aber es war schon alt, das konnte Lilly sehen. Unter dem Tagebuch lagen ein paar Briefe, und darunter wiederum lag ein blauer Briefumschlag mit einem goldenen ovalen Ornament darauf. Was es darstellen sollte, konnte Lilly nicht ergründen. Sie zuckte mit den Schultern und legte den Umschlag wieder zurück in den Kasten. Das Tagebuch war da schon viel interessanter. Und als sie an den Beutel stieß machte dieser ein klickendes Geräusch. So, als ob Steine aneinander gestoßen würden. Neugierig legte das Kind das Tagebuch beiseite und öffnete den Beutel. Sie förderte zwei Steine zutage. Der eine war ein rein weißer Bergkristall. Er war fast durchsichtig. Der andere war schwarz und es hatte den Anschein, als sei er mit Goldfäden durchwirkt. Als Lilly die Steine berührte, hatte sie ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Eine leise Angst kroch in ihr hoch. Dann lächelte sie aber, steckte die Steine zurück in den Beutel und schob ihn in ihre Hosentasche. Obwohl das ungute Gefühl anhielt, widmete das Mädchen sich nun dem Tagebuch. Sie öffnete es und begann zu lesen……

Nach einer Weile kam Lilly zu ihrer Mutter, die im Wohnzimmer saß. Isa weinte lautlos. Die ganze Trauer der Jahre schien auf einmal von ihr Besitz zu ergreifen. Sie fühlte sich einsam, verlassen und betrogen. Selbst die Hand ihrer Tochter, die nun entschuldigend auf ihrem Rücken lag, konnte ihr keinen Trost geben. „Mama es tut mir echt leid. Ich mache so was nie wieder das kannst du mir glauben.“ Begann Lilly beschwichtigend auf ihre Mutter einzureden. Isa reagierte zunächst nicht. Dann schaute sie ihre Tochter aus großen, grünen Augen an. „Wenn du nur ahnen würdest, was du gemacht hast, dann würdest du wissen, dass eine Entschuldigung nur wie ein Witz klingt. Ich weiß nicht was jetzt geschehen wird. Aber ich ahne, dass es nichts Gutes ist. Und ich vermute, dass es nicht dein Wille war, der dich zur Kiste gebracht hat, denn du hast mich nie belogen, und das beunruhigt mich wirklich. Verstehst du was ich meine?“ Lilly schüttelte resigniert den Kopf. Nein! Sie verstand nun überhaupt nichts mehr. Was hatte ihre Mutter bloß für ein Geheimnis. Aber sie spürte dass ihre Mutter sehr unter der Vergangenheit litt. „Warum erzählst du mir nicht einfach alles, damit ich es verstehe?“ Fragte Lilly plötzlich, und ließ sich neben ihrer Mutter auf die Couch nieder. Isa überlegte eine Weile. „Ich weiß nicht, ob ich dir nach dem, was du gemacht hast jetzt vertrauen kann. Ich dachte immer du wärst kein kleines Kind mehr. Aber du hast mir heute leider das Gegenteil bewiesen.“ Lilly schluckte bei diesen Worten. „Ich, ich ….“ Stammelte sie. Isa strich ihrer Tochter über den Kopf. „Kind ich muss sicher sein das das, was ich dir erzähle auch bei dir bleibt, und du es nicht überall in der Weltgeschichte herum tratschst, denn dann würde man mich und deinen Vater sicherlich irgendwo in ein Krankenhaus bringen, und dich würden sie in ein Heim stecken. Ehrlich!“ Lilly schaute ihre Mutter lange an. Dann lächelte sie schüchtern. „Was kann denn so schlimm sein, das man denken könnte ihr wärt verrückt?“ warf sie grinsend ein. „Was würden die Leute sagen, wenn du ihnen auf einmal von jemandem erzählen würdest, den es nicht gibt?“ Lilly überlegte und begann dann zu lachen. „Ach ich verstehe was du meinst, damals als Laurin immer von seinem kleinen Freund im Wald erzählt hat, was haben wir ihn dafür geärgert und haben gelacht.“ Isa schüttelte den Kopf und berichtigte ihre Tochter. „Nein! Du hast über ihn gelacht, ich habe immer nur genickt, wenn er etwas erzählt hat. Weißt du, wir Menschen bilden uns ein wir wüssten alles, wir kennen jedes Lebewesen, jede Pflanze und jedes Ding. Aber wir wissen sehr wenig von allem. Das habe ich gelernt in den ganzen Jahren.“……..

Isa blieb noch eine Weile im Wohnzimmer sitzen. Dann ging sie in ihr Schlafzimmer, um die beiden Steine irgendwo zwischen ihren Sachen zu verstecken. Sie war unsicher, ob es eine Auswirkung haben würde. Das Lilly die Steine genommen hatte. Nur zu gut hatte Isa die Worte in Erinnerung, die damals beim Abschied mit Carmen gesprochen wurden. „Ihr dürft die Steine weder verschenken noch verkaufen, noch aus der Hand geben. Auch darf sie niemand stehlen.“ In diesem Moment wusste Isa, das die Worte sehr wohl eine Bedeutung  hatten. Denn ein Schatten fiel auf ihr Herz, sie hatte plötzlich das Gefühl als würde bald etwas schreckliches geschehen…….

……………..

Es war wieder Nacht geworden. Das Haus war in tiefe Dunkelheit gehüllt. Die Nacht hielt den Atem an und rüstete sich für den Tag. Alle waren fest eingeschlafen, als plötzlich ein Schrei durch das Haus gellte. Er schwoll an, und verklang dann ungehört. Nach einiger Zeit ertönte er aber wieder. Und diesmal verfehlte er seine Wirkung nicht.

Isa lag in unruhigen Träumen. Sie wälzte sich im Schlaf hin und her. Im Traum waren ihr merkwürdige Schatten gefolgt. Sie versuchte fort zu rennen, als sie plötzlich einen Markerschütternden Schrei hinter sich vernahm. Sie versuchte sich instinktiv umzudrehen, aber ihre Beine schienen mit der Erde verwachsen zu sein. Isa konnte sich nur halb umdrehen. Dann sah sie aus dem Augenwinkel die grausamen Bilder. Ihre Tochter lief fort und wurde von zwei Gestalten verfolgt. Sie waren Menschenähnlich und sehr schlank. Aber Isa stutzte, denn ihre Form schien zu zerfließen und sich immer und immer wieder aufs Neue zusammen zu setzen. Mehr konnte sie nicht erkennen. Isa  versuchte sich mit aller Kraft vom Boden loszureißen, schaffte es aber nicht. Plötzlich verlor sie den Halt und schlug hart auf dem Boden auf. Im selben Augenblick öffnete Isa die Augen und befand sich in ihrem Bett. Neben ihr schlief friedlich Alex, der von alldem nichts zu ahnen schien. Isa war Schweißgebadet. Ihr Herz schlug  bis zum Hals. „Was war das?“ fragte sie sich halblaut. Aber ihre Stimme tröstete sie nicht, denn im nächsten Augenblick vernahm sie wieder diesen Schrei. „Lilly! Lilly ich komme!“…………..

Hand in Hand durchstreifte das Paar den immer dichter werdenden Wald. War er immer schon so groß? Die beiden waren sich nicht sicher. „Es gibt keine Zauberwälder oder?“ Fragte Isa plötzlich, und Alex begann schallend zu lachen. „Oh nein! Du hast dich in all den Jahren nicht geändert. Natürlich nicht.“ „Aber…. Elben gibt’s doch auch, du hast sie selbst gesehen.“ Alex hielt eine Weile inne, dann begann er von Neuem zu lachen. Er schüttelte energisch den Kopf. „Nein! Auch sie gibt es nicht. Ich weiß nicht was wir damals erlebt haben. Aber mir schien es eher eine Art Spiel zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.“ Isa schaute ihren Mann ungläubig aus großen Augen an. „Und was haben wir damals erlebt? Das war die Wirklichkeit. Du willst sie nur nicht akzeptieren.“ Alex grübelte eine Weile. „Naja was genau die zwei sind, oder wer genau, das kann ich dir auch nicht erklären. Aber ich bin mir sicher, dass sie weder Zauberer noch Gedankenleser noch sonst etwas sind. Ich halte sie eher für sehr gute Schauspieler.“ Isa schüttelte verwundert den Kopf. „Und was ist mit dem Mädchen, das ich gesehen habe?“ Alex zuckte mit den Schultern. Darauf wusste auch er keine Antwort.

Isa hatte sich wieder einigermaßen gefasst. Gemeinsam liefen sie ziellos durch den Wald. Aber sie fanden keines ihrer Kinder. So traten sie den Weg zum Auto an. „Wir können doch jetzt nicht einfach wieder nach Hause fahren.“ Begann Isa unsicher, und hielt ihren Mann am Arm fest. Alex blieb abrupt stehen. War da nicht etwas hinter einem Baum? Alex duckte sich und zog Isa am Arm zu sich herunter. „Leise!“ flüsterte er, und legte sich den Finger auf den Mund. Isa nickte. Sie hatte verstanden. Es raschelte immer lauter im Unterholz. Aber sie konnten niemanden sehen. Aber gerade, als Isa und Alex schon aufgeben wollten, sahen sie eine kleine Gestalt. Sie stand ganz still, ganz in ihrer Nähe. Sie war so groß wie ein Kind, von etwa zehn Jahren. Alex schlich sich vorsichtig von hinten an die Gestalt heran, dann schnellte er hoch und packte sie am Arm. Die Gestalt wehrte sich heftig aber Alex hielt sie mit hartem Griff fest. Und als er sie zu sich umdrehte, hätte Isa vor Schreck geschrien, denn dort stand Eldín in Kleinformat, wie Isa  später sagen würde. Der Junge war nicht sehr groß, schlank und hatte sehr helles, blondes Haar. Es war sehr lang, und fiel ihm locker auf den Rücken herab. Er trug keinerlei Haarschmuck. Bekleidet war er mit einem langen Hemd, das bis zu seinen Knien reichte. Er trug eine enge, dunkle Hose und dunkle knielange Stiefel. Der Junge schaute sie furchtsam und skeptisch aus seinen graublauen Augen an……..

„Schau mal Mama, das Haus ist schon wieder von einem dichten Nebel umgeben.“ Isa rieb sich die Augen, als wenn sie gerade wach geworden wäre. Was sie sah, konnte auch sie nicht glauben. Das gesamte Haus war in einen dichten, undurchdringlichen, grauen Nebel gehüllt. Rings herum war aber die Luft klar. Alex beschleunigte den Wagen, denn ein schrecklicher Verdacht keimte in ihm auf. „Vielleicht brennt unser Haus  ja.“ Stieß er hastig hervor, während der Wagen die letzte Kurve nahm. Die Reifen knirschten auf dem alten Kiesweg, als Alex den Wagen vor dem Haus zum stehen brachte. Eilig sprang er heraus und rannte zum Haus. Aber dort war kein Feuer. Das Haus schien vom Nebel zugedeckt zu sein. Er hatte sich wie ein Schal um das Haus gelegt, und ließ keinen Blick nach außen zu. Lilly drängte sich erschrocken an die Seite ihrer Mutter. Isa begann ebenfalls am ganzen Leib zu zittern. „Was ist das?“ fragte Lilly und ihre Stimme klang dumpf und kalt, fast so als käme sie aus dem Boden. Isa erschauerte, und auch Alex drehte sich erschrocken zu den beiden um. Er fasste Isa bei der Hand und gemeinsam gingen sie ins Haus.

Isa schloss hastig die Wohnungstür und verriegelte sie. Sie hoffte den Nebel damit aussperren zu können, aber als sie sich umdrehte, und in den Flur hineinschaute, kamen ihr kleine Nebelschwaden entgegen. Sie bewegten sich, als hätte ihnen jemand Leben eingehaucht. Lilly drängte sich dicht an ihre Mutter. Sie schaute mit weit aufgerissenen Augen in die Schwaden hinein. Alex, Isa  und Lilly blieben wie angewurzelt dort stehen, wo sie hereingekommen waren. „Wir müssen weg Mama, der Nebel er will uns holen! Ich habe es geträumt, du doch auch oder nicht? Beeilen wir uns! Bitte!“ flehte das Mädchen, und machte sich mit zitternden Fingern an der Tür zu schaffen. Alex hielt sie zurück. Er nahm Lillys kleine Hände in seine großen und schaute seine Tochter fest an. „Draußen ist noch viel mehr Nebel als hier drinnen. Sollte der Nebel uns etwas tun, was ich für unwahrscheinlich halte, dann sind wir hier drinnen besser aufgehoben. Lasst uns alle zusammen bleiben, nur so sind wir sicher, und keiner muss Angst haben.“ ………….

Dies war ein kleiner Einblick wie es weitergeht. Natürlich ist die Geschichte schon etwas weiter fortgeschritten, aber der Rest kommt später, wenn alles fertig ist.

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