Mein inneres Zimmer

Manche Menschen gehen nach draußen, wenn sie nachdenken wollen, die frische Luft, die Gerüche und Geräusche, der Wind, den man spürt, all dass erfrischt die Sinne, und plötzlich kommen die Gedanken. Manchmal wird man sich über die Dinge, die einen bewegen dann viel klarer. Und Wege, die in eine Sackgasse geraten sind, werden plötzlich wieder offen, weil sich plötzlich ein Seitenpfad auftut, der sich zuerst als Umweg entpuppt. Aber manchmal stellt man auch fest, dass gerade dieser Umweg nötig war.

Manchmal ist es aber auch wichtig, sich in sich selbst zurück zu ziehen. Man gewinnt Ruhe, und manchmal sogar neue Erkenntnisse.

Zu diesem Zweck habe ich mein inneres Zimmer. Ich gehe immer dann dorthin, wenn ich Kraft und Ruhe schöpfen will. Wenn mir Dinge nicht ganz klar sind, oder wenn etwas geschieht, was ich erst einmal verarbeiten muss.

In den Jahren hat sich mein inneres Zimmer sehr verändert. Früher waren da mehr Möbel, heute jedoch mutet die Einrichtung eher phantastisch und verspielt an. Kitschig würde meine Umwelt dazu vielleicht sagen. Mir jedenfalls gefällt mein mir ganz eigener Raum, in dem sowieso nur ich Zutritt habe, denn nur ich besitze den Schlüssel.

Aber heute möchte ich euch einmal  einen kleinen Blick in mein inneres Zimmer gewähren. Vielleicht gefällt es euch ja dort, oder ihr bekommt Lust, euch eure eigenen Räume einzurichten und zu gestalten?

In meinem inneren Zimmer hat es schon immer ein großes Fenster gegeben, durch dass herrlich warme und nach Blüten duftende Luft hereinströmt. Wenn ich aus dem Fenster schaue gibt es viel zu sehen. Wälder, Blumen und ein kleines Wäldchen, das sich an den Berg schmiegt. Die schroffen Felsen haben viele formen und Farben.  Mein Zimmer grenzt an einen großen Felsen mit einem kleinen Wasserfall, der eine Wand meines Zimmers bildet, das Wasser ergießt sich in einen steinernen Brunnen. Das Geräusch des herabfallenden Wassers, ist einfach nur beruhigend. Zuweilen klingt es wie eine immer wiederkehrende Melodie. In einer Ecke steht ein altes Sofa, es ist weinrot, und es hat eine hohe geschwungene Lehne, und reich verzierte Füße. Davor steht ein kleines Tischchen aus dunklem Stein. In meinem Zimmer gibt es keinen Fernseher, keinen PC und kein Telefon. Die Tür die zur Außenwelt führt, ist meistens verschlossen, wenn ich im Raum bin. Wenn ich hinaus will, nehme ich den kunstvollen alten Schlüssel, und sperre wehmütig die Tür in das Land mit dem Namen Realität auf. Manchmal fällt es mir schwer, der Melodie des Wasserfalls den Rücken zuzudrehen. Ich freue mich aber immer wieder, wenn ich zurückkehren darf, mich auf das Sofa setze, und meine Blicke schweifen lasse. Hatte ich erwähnt, dass sich oben im Dach ein kleines rundes Fenster befindet, in dass oft die Sonne hereinscheint?  Die Wassertropfen des Wasserfalls schimmern dann wie Perlen und ein kleiner Regenbogen ist über dem Becken zu sehen. Schaue ich nach rechts gibt es dort an der Wand eine riesige Zeichnung. Eine wunderschöne Blumenwiese ist dort . Viele Schmetterlinge in den herrlichsten Farben sind dort zu sehen.

Es  gibt kein Bett  in diesem Zimmer. Das brauche ich nicht, denn es genügt mir, auf dem Sofa zu sitzen, und alles auf mich wirken zu lassen. Die Ruhe zu genießen, um wieder Kraft zu schöpfen. Erst dann bin ich wieder bereit, hinaus zu treten, in die manchmal triste, trostlose, und zuweilen kalte Welt, die man Realität nennt. Denn eines vermisse ich in diesem Zimmer! Es sind meine liebsten, die mir sehr ans Herz gewachsen  sind. Dieses Zimmer ist dennoch sehr wichtig, damit ich allen und allem wieder freundlich begegnen kann. Und so manches Mal sehen die Dinge, wenn ich aus diesem Raum hervortrete halb so schlimm aus, wie sie es vorher für mich waren.

Manchmal sieht dieses Zimmer auch trostlos aus. Die Farben sind gedämpft, und der Wasserfall murmelt nur ganz leise, denn nur ein kleines Rinnsal läuft am Steinfelsen hinunter. Um so erstaunlicher ist es, wie sich der Raum verändert, wenn ich nach einer Weile die Augen wieder öffne. Die Farben sind zurückgekehrt, und das Wasser rauscht angenehm leise am Felsen herab.

Ich bin froh, dieses Zimmer zu haben. Denn es gibt mir die Ruhe und Kraft, die ich brauche, um die Dinge zu tun, die vor mir liegen, so schwer sie auch manchmal sind.

Und nun wird es Zeit, mal wieder den alten Schlüssel zu holen, und euch und auch mich selbst wieder in die Wirklichkeit zu entlassen.

Ich wünsche allen die nötige Ruhe, die sie für Entscheidungen und Lebenswege brauchen, und die nötige Kraft, egal wo ihr sie herbekommt. Sei es aus der Natur, oder eurem inneren Zimmer.

 

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