Von oben betrachtet – sind wir alle klein und unbedeutend!?

Ela kratzte sich am Kopf, stand von ihrem Stuhl auf und klappte energisch das Laptop zu. „Oh nein! Das kommt davon, wenn man wütend ist, man vergisst wichtige Dinge zu speichern. Toll alles weg, alle Arbeit umsonst!“, fluchte sie und lief schnell aus dem Zimmer. Nur schleunigstl raus hier!

Die Kühle des Abends ließ Elas Gedanken wieder klarer werden. Ihr Herz beruhigte sich und ihr Atem ging wieder ruhiger und gleichmäßiger. Als sie sich wieder vollständig gefasst  hatte, lief sie in Richtung der Felder. Sie wollte frische Luft, und die Freiheit auf dem Land spüren. Stadtlärm war ihr jetzt zuwider und auch ihr Park hätte sie jetzt nicht trösten können.

Nach einer Weile kam Ela zu einem kleinen Wald, dort ließ sie sich auf eine Bank nieder und atmete die frische Luft. Sie schloss die Augen, und war plötzlich fast zu Tode erschrocken, als ihr jemand auf die Schulter tippte. Sie sprang auf und fuhr herum. Mit geballten Fäusten stand sie vor einem kleinen Männchen. „Na super! Jetzt sehe ich schon Figuren die es eigentlich nicht geben darf. Soweit ist es also schon mit mir gekommen,“ grummelte sie vor sich hin, und zwickte sich in den rechten Arm. „Autsch, Mist! Der ist ja immer noch da! Okay!“ Sie ließ die Fäuste sinken und musterte das Männchen. Es war kleiner als sie und trug einen braunen, langen Mantel, der ihm bis zu den Stiefeln reichte. Sein Gesicht war freundlich und seine Augen gütig. Auf dem Kopf trug er einen runden Hut. „Wieso bist du so wütend?“, erkundigte sich der kleine Mann und musterte Ela eine Weile. „Ich hatte mich erschrocken. Ich habe nicht damit gerechnet hier jemanden zu treffen, schon gar nicht so einen wie dich!“, entgegnete sie schroff und wollte schon gehen. „Nein, nein! Ich meine, warum bist du innen drin so wütend? Was ist dir geschehen?“ Ela stutzte, konnte dieses kleine, unscheinbare Männchen etwa ihre Gedanken lesen?  „Naja, wenn er aus einer meiner Geschichten kommen sollte, die ich vielleicht irgendwann einmal schreibe, ist er vielleicht meiner Phantasie entsprungen, dann ist es ganz normal, dass er mein tiefstes Innerstes kennt.“ Ela wunderte sich über ihre absurden Gedankengänge. „Ich werde verrückt, oder was kann das sonst sein?“, murmelte sie, und ließ sich wieder auf ihrer Bank nieder. „Ja so ähnlich ist es, wie du es dir gerade gedacht hast. Es wäre schön, wenn ich von dir einen Namen bekäme, damit du dich später, wenn du eine Geschichte schreibst, wieder an mich erinnerst. Und im Gegenzug helfe ich dir, damit deine Wut verraucht, und du wirst sehen, du wirst hinterher wirklich darüber lachen. Vertraust du mir?“, fragte das Männchen und reichte Ela die Hand. „Okay, abgemacht!“ Sie stützte grübelnd den Kopf in die Hände. Namen für ihre Charaktere zu finden, war das allerschwerste für Ela. Sie zermarterte sich das Hirn und als das Männchen begann vor ihr hin und her zu laufen, wurde sie nervös. „Steh still! So kann ich nicht denken!“, fuhr sie den kleinen Mann an. Grinsend ließ sich das Männchen neben ihr nieder und wartete geduldig auf ihre Antwort. „Schau doch mal richtig hin Kind!“, wurde sie plötzlich ermahnt, dann findest du sicherlich einen Namen.“ „Okay, wie wäre es mit Doril? Frag mich nicht warum, aber irgendwie passt dieser Name in meine nächste Geschichte.“ Das Männlein kratzte sich am Kopf und setzte ein schiefes Grinsen auf. „Ja, das klingt nicht schlecht, und es gefällt mir weil dir der Name so schnell eingefallen ist.“

Ela lächelte still in sich hinein. „Dann bin ich jetzt wohl dran,“  fuhr das Männlein fort und fasste Ela bei der Hand. „Schließ deine Augen und lass alle Gedanken los, die dich quälen!“, forderte er und als Ela das nächste Mal die Augen aufschlug, stand sie auf einem Berg!“ Entsetzt schaute sie sich um, Angst ergriff von ihr Besitz, aber die Ruhe des Männleins ließ auch sie ruhiger werden. „Ahnst du, warum du hier bist?“ Ela schüttelte den Kopf. „Du hast dich doch über jemanden geärgert, der immer meint er wäre etwas Besseres als die anderen oder? Es regt dich auf, das manche Menschen meinen sie wären der Mittelpunkt der Welt, oder sehe ich das falsch!“ Ela nickte  und schaute das Männlein an, dass sie aus unergründlichen Augen anblickte. „Schau hinab und sage mir, was du siehst, dann sehen wir weiter!“, forderte er und wies ins Tal hinab. „Ich sehe Häuser, Straßen, die wie ein Band durch das Tal laufen, und kleine Punkte, die sich darauf bewegen. Wenn ich ganz genau schaue, bewegen sich daneben fast unsichtbare Pünktchen.“ Erwartungsvoll blickte Ela zu dem kleinen Mann hinüber. „Das stimmt, und was schließt du jetzt daraus?“ Sie grübelte und ließ sich auf dem Berg nieder, denn die Höhe machte sie schwindelig. „Sie sehen alle gleich aus, wenn du das meinst. Es gibt keine Unterschiede,“ entgegnete sie plötzlich und Doril nickte anerkennend. „Genau! Der erste Teil der Lektion heißt: Jeder Mensch ist ein kleines unbedeutendes Teilchen in unserem Universum. Von oben betrachtet sind wir nur ganz klitzekleine Punkte, und, wir sind alle gleich, egal was wir sind und wer wir sind!“ Ela nickte „Und weiter?“ „Gib mir deine Hand und schließe deine Augen.

Als Ela  die Augen aufschlug befand sie sich vor einem alten Haus. Es war alt und heruntergekommen. Viele Menschen gingen dort ein und aus. Die einen hatten Maurerkellen in den Händen, die nächsten trugen Kabel über der Schulter, wieder andere kamen mit langen Brettern vorbei. Sie alle arbeiteten emsig an dem Haus. „Was siehst du?“, fragte Doril. „Ich sehe Arbeiter, die ein Haus renovieren,“ entgegnete Ela sachlich. „Und nun stell dir vor, was geschehen würde, wenn plötzlich die Maurer nicht kämen oder die Elektriker oder die Dachdecker?“ „Dann würde das Haus nicht fertig werden,“ entgegnete Ela. Das Männchen nickte zufrieden. Und was heißt das nun wieder?“ „Jeder ist wichtig, und jeder tut das, was er am besten kann, und nur gemeinsam geht es voran.“ Doril nickte und lächelte. „Und, niemand ist besser oder schlechter, und jeder ist wichtig in der Welt,  bei allem, was er tut. Es sei denn es ist etwas schlechtes. Verstehst du mich jetzt, warum ich dich mitgenommen habe?“ Ela nickte und so kehrten die zwei zur Bank am Waldrand zurück. Doril verbeugte sich vor Ela und zog dabei seinen Hut. „Vielen Dank für diesen Namen! Ich freue mich schon, wenn wir uns das nächste Mal in deiner Geschichte treffen.“ Ela nickte und verabschiedete sich von dem Männlein. So plötzlich wie er kam, verschwand der kleine Kerl auch wieder. Zurück blieb eine grübelnde, und sehr zufriedene Ela.

Jeder Mensch ist ein kleines unbedeutendes Teilchen in unserem Universum. Von oben betrachtet sind wir nur ganz klitzekleine Punkte, und, wir sind alle gleich, egal was wir sind und wer wir sind!

Und dennoch…

Jeder ist wichtig, und jeder tut das, was er am besten kann, und nur gemeinsam geht es voran.

„Ja das stimmt wohl kleiner Mann, niemand ist besser oder schlechter, keiner kann sich über den anderen erheben. Und wenn jemand doch einmal einen Höhenflug bekommt, dann sollte er auf einen Hügel steigen und hinabschauen, und sich vor Augen führen, das wir alle gleich sind.“

Zufrieden lief Ela nach Hause, klappte das Laptop wieder auf, und begann weiter zu schreiben.

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2 Antworten zu “Von oben betrachtet – sind wir alle klein und unbedeutend!?

  1. Toller Blog Astrid, Gratulation: 🙂

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