Der ganz normale Wahnsinn…

Ein ohrenbetäubender Lärm riss Ela aus dem Schlaf! Was war das bloß für ein wunderschöner Traum gewesen, und nun wurde sie von diesem widerlichen Wecker einfach aus dieser Geschichte gerissen, die sie ganz vereinnahmt hatte. Missmutig stand sie auf und stapfte immer noch schlaftrunken ins Bad, wo sie sich frisch machte. Dann hielt sie plötzlich inne, war heute nicht irgend etwas, was sie unbedingt erledigen musste? Sie grübelte eine Weile, während die Kaffeemaschine gemütlich in der Küche vor sich hin brodelte.

Dann fiel es ihr siedend heiß wieder ein. „Es ist Freitag! Immer wieder dieser verflixte Freitag. Oh mein Gott!“, schimpfte sie, während sie sich in ihre Kleidung zwang. Das Frühstück interessierte sie kaum, und auch der Kaffeeduft konnte sie nicht so recht locken. Sie hatte etwas wichtigeres zu tun!  In Windeseile schaltete sie den PC an, und konnte es kaum erwarten! Mit zitternden Fingern tippte sie vor sich hin, machte dieses und jenes Programm auf. Erwartungsvoll setzte sie sich an ihren Schreibtisch, vergessen waren der leckere Kaffee, der Frühstückstisch, der Hund und der Mann, mit dem sie gemütlich frühstücken wollte. Sie war vollkommen in die Welt des PC’s eingetaucht. Der Twitter Ton, den ihr Programm verursachte, klang in ihren Ohren wie Musik! Und schon ging es los. Vor ihren Augen blitzten immer wieder diese Zeichen auf: #ff! Ja genau, am Freitag musste das einfach sein! Mit zitternden Fingern gab sie die Namen ein, die sie heute empfehlen wollte. Zwischenzeitlich wurde ihr eine Tasse Kaffee an den Tisch gebracht, der einige Stunden später immer  noch unberührt dastand.

Nach drei Stunden #ff und Retweeten, und folgen, begann alles vor Elas Augen zu verschwimmen. Aber sie musste durchhalten, wollte diesen Freitag durchstehen. Genauso wie sie die anderen Tage auch durchhalten musste, das schien ganz wichtig zu sein. Irgendwann hatte ein schlauer Mensch ihr mal etwas über Marketing erzählt, und sie wollte den anderen natürlich um nichts nachstehen! Und dennoch erschienen ihr die Tage oft, wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel! Wie schafften das bloß die anderen, Tagelang, Wochenlang Monatelang diesen Stress durchzuhalten?

Immer wieder änderte Ela ihre Strategieen aber jedes Mal ging sie unzufrieden in ihr Bett, denn sie hatte nicht alles das geschafft, was andere bewerkstelligen konnten. Hielt sie sich zu lange mit anklicken und Lesen der Links auf? Ja das war wohl der Schlüssel zu allem. So begann sie nun, wie wild zu retweeten  und die Liste ihrer Follower abzuarbeiten. Was hatte der eine geschrieben, was konnte man empfehlen? Das war nicht wichtig, einzig und allein die Menge gewann an Wichtigkeit. Schon lange konnte sie nichts anderes mehr machen, als nur am PC sitzen, und Links teilen oder die Links ihrer Follower retweeten!

Zwischenzeitlich ging es dann weiter mit Facebook. Auch hier wartete eine Menge Arbeit auf sie. Ihre Finger flogen wie wild über die Tastatur. Sie waren genauso verschwitzt, wie sie selbst. Hier ein Kommentar in einer Gruppe, dort ein Gefällt mir, da wiederum einen Link empfehlen!  Zum Nachrichten lesen kam Ela schon gar nicht mehr. Und auch die Nachrichten, die in ihren Postfächern warteten waren uninteressant geworden, denn es galt  so viel wie möglich zu schaffen!

Der Tag neigte sich dem Ende zu, und nun galt es abzuwarten, sich zu merken, wer denn die eigenen Links geteilt hat, auf Twitter  schaute sie vorbei, um zu sehen, wer sie denn weiter empfohlen hat. Zwischendurch schlug sie mit der Faust auf den Tisch, weil die Ausbeute heute besonders gering war. „Toll! Und dabei habe ich mir heute besondere Mühe gegeben! Interessiert es die anderen gar nicht was ich mache?“, rief sie ungehalten und wechselte das Fenster, um auf Facebook die Gefällt Mir Angaben bei ihren Posts zu zählen.  Begleitet wurden ihre Aktionen, vom ewig klingenden Geräusch ihres Twitter-Programms. Es klang nun nicht mehr wie Musik in ihren Ohren, vielmehr hämmerte es unaufhörlich in ihrem Kopf! „Verflucht! Wieso schaffen die das, alle paar Sekunden zu Twittern und ich nicht?“ Ela begann immer schneller und schneller ihre Werbelinks zu posten. Für sie gab es nur noch den Twitter, Facebook und sie! Der Rest der Welt war nicht so wichtig! Er brachte sie ja nicht weiter.

Plötzlich hörte Ela einen Knall, und das Licht in der Wohnung war  erloschen. Aber auch der Bildschirm war schwarz! Es roch nach Feuer und als Ela das Licht wieder in Gang gebracht hatte, sah sie dünne Rauchschwaden aus ihrem Computer hervor quellen. Verzweifelt riss sie die Fenster auf, hastete ins Schlafzimmer um ihren Laptop zu holen, denn er brauchte keinen Strom!

Bereits im Flur wurde sie von ihrem Mann abgefangen, der ihr den Weg versperrte. Er schüttelte sie und redete auf sie ein aber Ela wollte nicht hören, sie begann zu beißen und zu kratzen und versuchte ihren Mann beiseite zu schieben. „Ich muss noch etwas machen, ich bin noch nicht ganz fertig geworden!“, schrie sie und ihre Stimme begann sich zu überschlagen. Aber ihr Mann blieb ungerührt in der Tür stehen. Ela begann zu toben und konnte nicht mehr aufhören…..

„Ela! Ela! Was ist bloß los mit dir, aua! Wieso schlägst du um dich, was ist in dich gefahren?“ Ela hörte aus weiter Ferne, das jemand diese Worte zu ihr sprach, aber sie konnte nicht aufhören zu treten, wenn es auch nur die Luft war die sie bekämpfte. Und als sie wieder zu sich kam, stellte sie fest, das sie nur geträumt hatte!  „Dann ist das alles gar nicht passiert? Dann ist alles so wie immer und läuft alles so, wie ich es mir vorgestellt habe, und wie ich es richtig finde?“ Elas Mann nickte und nahm die erschöpfte Frau in den Arm. Ela war immer noch verschwitzt. Nach einer Weile sank sie erschöpft in die Kissen und seufzte tief und unheimlich laut! „Meine Güte, du kannst dir nicht vorstellen, was ich gerade geträumt habe!“, begann sie und blickte dabei ihren Mann an. „Doch ich glaube ich weiß was du geträumt hast, von Twitter und Facebook und von diesem zweifelhaften Marketing, was mir eher Angst macht, als das es mir gefallen würde. Und wenn du nicht aufpasst, rutscht du dort hin! Weißt du noch, ganz zu Anfang warst du fast soweit. Es war nichts mehr wichtig für dich außer die Gruppen, Twitter und Facebook. Du hast so viel Energie darin verschwendet  anderen nachzueifern, das du dich selbst fast aufgegeben hättest. Du hast deine Freunde vernachlässigt, deinen Hund und mich auch. Aber zum Glück hast du schnell gemerkt, worauf es wirklich ankommt!“

Ela blickte ihren Mann dankbar an.“ Wie gut es doch war einen an seiner Seite zu haben, der den Blick für die Realität niemals verliert, und der einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt,“ flüsterte sie und schlief  zufrieden ein. Denn sie wusste das es niemals soweit kommen würde, wie in diesem bösen Traum. Und darüber war sie froh!

Vielen Dank möchte ich an dieser Stelle  an die Menschen sagen, die immer an meiner Seite sind, und mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Tatsächlich habe ich am Anfang etwas ähnliches getan, wie oben beschrieben, aber ich habe schnell gemerkt, das es alles andere als in Ordnung  ist, denn Fanatismus ist nie gut.

Schon eine sehr lange Zeit ziehe ich bei diesen Dingen nicht mehr mit. Ich habe oft gar keine Zeit den ganzen Tag zu twittern. Nur schade, das manche Menschen denken, man hätte etwas gegen sie, nur weil man eben nicht immer präsent ist. Aber ich habe noch ein Leben, einen Partner eine Familie und Freunde, die mir viel wichtiger sind, als diese anderen Dinge. Ich bin dazu übergegangen, mir die Links der Leute auch anzuschauen, und mich für andere zu interessieren. Denn eines hat mich nachdenklich gemacht, nämlich die Frage einer  Frau aus meiner Freundesliste bei Facebook,  die fragte was ich denn eigentlich schreibe. Klar ich poste nicht ständig etwas aber ab und zu schon. Mir ist klar geworden, das viele so damit beschäftigt sind schnell etwas weiterzugeben oder mal eben schnell anzuklicken, das sie oft gar nicht wissen, was sie da eigentlich anklicken. Wenn es schon mittlerweile Listen gibt, die abgearbeitet werden, nur weil die Namen dort stehen, ist das einfach nur traurig.

Manchmal muss man die Dinge überspitzt darstellen, um sich über ihre Tragweite klar zu werden. Ich jedenfalls habe mich für das Leben entschieden, und nicht für diese Klickergemeinschaft. Und ich bin froh darüber. Allerdings, kann ich hier wieder nur von mir sprechen. Wer es durchhält, über Wochen oder Monate, okay, aber ich bin nicht der Typ der diese ganzen Prozeduren lange aushält. Dazu sind mir andere Dinge viel zu wichtig.

 

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