Was dort wohl versteckt ist?

Weihnachtsbäumchen

Jetzt, wo ich erwachsen bin, nehme ich viele Dinge ganz anders wahr, als damals, als ich noch ein Kind war. Dennoch ist eines immer gleich geblieben, dieses Gefühl, das mich zur Weihnachtszeit befällt. Es ist eine Mischung aus Spannung ,  Neugier und Ungeduld. Aber, es ist ein schönes Gefühl, und ich glaube, das es mich bis an mein Lebensende begleiten wird. Zumindest hoffe ich das.

Wenn ich an Weihnachten denke, dann läuft vor meinem inneren Auge ein Film ab und ich begleite die Familie durch den Heiligabend und plötzlich weiß ich, das genau dieser Moment, den ich damals erleben durfte, sehr kostbar ist, weil er aus allen anderen Erlebnissen heraus ragt, sie in den Schatten stellt, selbst jetzt noch, wo ich kein Kind mehr bin, und es um dieses Erlebnis natürlich weniger schöne Dinge gab, die mich durch mein Leben begleiteten.

In meiner Familie war gerade vor den Feiertagen Stress und Hektik angesagt, und meine Eltern waren nicht gerade die Menschen, die man als Romantiker bezeichnen konnte, aber wenn es auf Weihnachten, auf den Heiligabend zu ging, wurde sogar meine Mutter ruhig und es war gerade sie, die für diese Spannung sorgte, die mich stets über die Weihnachtstage begleitete.

So durften wir, wenn alles blitzblank geputzt war und an seinem Platz stand, nicht mehr das Wohnzimmer betreten. Was dort vor sich ging, weiß ich heute natürlich, weil ich erwachsen bin, aber damals, als ich noch jung war, und mir noch keinerlei Gedanken über die Zusammenhänge machte, nichts ergründen wollte, sondern es einfach geschehen ließ, war es für mich ein Geheimnis.

Meistens vertrieb ich mir die Zeit mit Fernsehen, und manchmal war das Programm sogar so interessant, das ich mich tatsächlich ablenken ließ. Nach einer unerträglich langen Zeit klingelte unsere Weihnachtsglocke und schon ging es ins Wohnzimmer, wo der festlich geschmückte Weihnachtsbaum aufgestellt war, der zumindest damals noch mit selbst gebastelten Strohsternen und kleinen Papiersternchen ( ich weiß leider nicht mehr, wie sie gemacht wurden, aber sie sahen tatsächlich wie kleine Sterne aus), behängt war. Damals lebte meine Uroma noch, die uns diese Dinge zeigte, die heute leider in Vergessenheit geraten sind. Mir gefielen unsere Weihnachtsbäume immer.

Während wir also herein kamen, wurde mein Blick immer wieder zu einem Tisch hingezogen, auf dem die Geschenke unter einem riesigen, weißen Laken versteckt waren. Für mich sah es immer wie eine Berg und Tal Landschaft aus und ich grübelte stets darüber nach, was denn wohl unter dem Laken versteckt war. Aber meine Eltern waren unerbittlich. Zuerst wurde gesungen, dann Weihnachtslieder von einer alten Schallplatte abgespielt, und manchmal spielte meine Mutter sogar auf der Blockflöte. In späteren Jahren musizierten wir dann manchmal zusammen.

Und dann kam der große Moment, in dem ich den Atem anhielt, denn mein Vater, manchmal auch meine Mutter, wenn mein Vater arbeiten war, zog langsam das Laken beiseite und zum Vorschein kamen viele große und kleine Päckchen. Wie herrlich es war, endlich seine Pakete in Empfang nehmen zu dürfen! Manche Geschenke waren für mich wunderschön, während wieder andere eine Enttäuschung waren, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie das Wohnzimmer nach dem Auspacken ausgesehen hat. Mir gefiel es, durch das Weihnachtspapier zu laufen, weil es so schön geraschelt hat. Diese Unordnung war einfach nur herrlich!

In späteren Jahren wusste ich natürlich wer den Baum geschmückt, und wer die Geschenke unter das Laken gesteckt hatte, dennoch habe ich diesen Zauber, der mit dieser Zeit einher geht immer noch in meinem Herzen bewahrt. Und immer, wenn ich an Weihnachten denke, denke ich automatisch an diese Zeit, an diesen Moment, als ich noch überrascht, aufgeregt, und arglos war.

Heute feiern wir Weihnachten natürlich ganz anders. ich weiß, was ich geschenkt bekomme, und meine Geschenke liegen  nicht mehr unter einem riesigen weißen Laken, dennoch bin ich genauso aufgeregt, wie damals.

Vielleicht macht gerade das den Zauber der Weihnacht aus, das man sich die Neugier, die einen als Kind begleitete, die Spannung und die Ungeduld, ich umschreibe es einfach mal mit Weihnachtsgefühl, auch im Erwachsenenalter noch bewahrt hat.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes Weihnachtsfest!

 

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