Ela und der Weihnachts-Wicht

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Es war schon später Nachmittag und Ela saß bereits einen gefühlten halben Tag vor ihrem Computer und starrte vor sich hin. Nun störte sie noch nicht einmal das Blinken des Cursors. Gedankenverloren trommelte sie auf den Tisch, verrückte die Lampe, stapelte die Papiere, kratzte sich am Kopf, grübelte, stand auf und ging zum Fenster und schaute eine Weile hinaus auf die Bäume, die kaum mehr Laub trugen. Was war das auch für ein verflixtes Jahr. Immer, wenn sie schreiben wollte, wurde sie entweder unterbrochen, oder der Computer streikte. Manchmal, genau immer dann, wenn die besten Ideen in ihrem Kopf herumschwirrten, meldete sich das Leben in Form von Verpflichtungen. Und immer, wenn sie nach Hause zurückkam, nahm sie sich fest vor, ihre Gedanken unterwegs aufzuschreiben. Und mit schöner Regelmäßigkeit vergaß sie diesen Vorsatz auch tatsächlich umzusetzen. Bald würden die Blätter ganz von den Bäumen verschwunden sein und wann immer sie nach draußen ging, so glaubte Ela einen ganz weit entfernten Geruch wahrzunehmen. Roch das nicht etwa nach Advent und Weihnachten? Sie war sich nicht sicher. Und wenn sie andere danach fragte, ob sie genauso empfinden würden, so rümpfte so manch einer die Nase. „Na gut, dann geht es eben nur mir so, auch egal!“, schnaubte sie dann insgeheim und ging wieder ihrem Tagewerk nach.

Es war schon spät geworden, als Ela wieder vor dem Bildschirm saß und die leere Seite mit dem blinkenden Cursor anblickte. Sie hatte immer noch kein einziges Wort geschrieben. Und dabei war doch jetzt alles ruhig. Ihre Gedanken schweiften ab. Sie sah sich wieder auf der Wiese mit dem kleinen verrückten Hund spielen, der vor einigen Jahren gestorben war, und schon waren der leere Bildschirm und die guten Vorsätze wieder einmal dahin.

Plötzlich fuhr Ela mitten aus ihren Gedanken hoch, denn ein kühler Windhauch zog an ihr vorbei und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Da war doch jemand! Oder war das nur Einbildung. Ela blickte sich im Zimmer um, aber dort war alles an seinem Platz und sie war allein. So wandte sie sich wieder ihrem Computer zu, nippte zwischendurch an ihrem Tee, der dampfend neben der Lampe stand und grübelte. Aber die Ruhe währte nicht lange. Neben ihr tat es einen Schlag, und als Ela aufblickte, lag ein dickes Buch mitten im Zimmer und sie glaubte ein leises Kichern zu hören. „Jetzt werde ich verrückt!“, murmelte sie, nahm das Buch , stellte es wieder ins Regal und setzte sich wieder vor den Computer. Aber es dauerte nicht lange, da kitzelte ihr etwas am Nacken. Erschrocken fuhr Ela herum. Als sie aber nichts sah, wandte sie sich wieder dem leeren Bildschirm zu. „Was machst du da?“, vernahm sie eine leise Stimme, die zu ihr flüsterte. Als Ela sich aber umschaute, konnte sie immer noch niemanden sehen. So ging es noch eine Weile, bis es ihr zu bunt wurde. So schaltete sie den Computer aus und ging ins Bett, wo sie wenig später in unruhigen Schlaf fiel.

Bald fand sich Ela auf einem vollgestopften Weihnachtsmarkt wieder, wo sie von den vielen Leuten immer in eine bestimmte Richtung geschoben wurde, obwohl sie eigentlich woanders hingehen wollte. Aber sie schaffte es einfach nicht gegen den Strom anzukommen. So ließ sie sich immer weiter und weiter schieben, bis sie schließlich vor dem großen Kaufhaus landete, in dem ebenfalls hektisches Treiben herrschte. Trotzdem ging sie hinein und fand sich wieder in einer Menschenmenge wieder, die schob und drückte und sie immer weiter von ihrem Ziel entfernte. Eigentlich wollte Ela Weihnachtsschmuck kaufen, und als sie merkte, dass es zwecklos war, dass sie niemals an die Sterne, Lichter Kugeln und Bänder herankommen würde, gab sie es auf, und schob und drückte nun ihrerseits, allerdings lief sie gegen den Strom. Sie ächzte und schwitze und fand sich schließlich schweißgebadet in ihrem Bett wieder.

Der nächste Tag begann mit trübem Wetter und immer, wenn Ela nach draußen kam, wurde dieser Geruch, dieser eigentümliche Geruch nach Kerzen, Tannen und Weihnachtsplätzchen stärker, obwohl es weder Tannen noch Weihnachtsgebäck gab. Und immer, wenn sie wieder an ihrem Schreibtisch saß, vernahm sie dieses Wispern. Und, obwohl niemand bei ihr war, so fühlte sie sich doch beobachtet.

„Jetzt ist es aber genug!“, schimpfte Ela und schob energisch den Schreibtischstuhl zurück, stand auf und blickte sich wütend im Zimmer um. „Warum zeigst du dich nicht und flüsterst hier die ganze Zeit Worte, die ich nicht verstehen kann. Komm endlich aus deinem Versteck, damit ich weiß, wer mich ärgert!“

Zunächst vernahm Ela nur wieder dieses alberne Gekicher, das ihre Nerven bereits strapazierte, weil es überall um sie war und sie sogar in ihren Träumen verfolgte. Ela wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich wieder an ihren Schreibtisch. Und als sie zur Lampe hinblickte staunte sie nicht schlecht, denn dort saß im Lampenschein eine winzige Gestalt im Schneidersitz. Sie blickte Ela grinsend an und wackelte vergnügt mit dem Kopf, sodass der weiße Bommel seiner roten Zipfelmütze hin und her schwang. Ela blickte verdutzt in das runde Gesicht mit der länglichen Nase, dem breiten Mund und den dunklen großen Augen, die belustigt zu ihr hinaufschauten. „Was denn, du kennst mich nicht?“, fragte das Männchen beinahe beleidigt und das vergnügte Lächeln verschwand aus seinem sonst so freundlichen Gesicht. Mit verschränkten Armen und im Schneidersitz blickte er nun zu ihr auf. „Nein, es tut mir leid, aber ich kenne dich nicht. Sollte ich dich denn kennen?“ „Aber sicher doch! Ich bin doch der Weihnachts-Wicht. Und ich wurde dir ganz persönlich zugeteilt. Ich sorge dafür, dass deine Weihnachts-To-Do-Liste auch wirklich abgearbeitet wird und, dass du nichts vergisst. Denn Weihnachten soll ja kein Stress sein, sondern soll Freude und Harmonie bringen. Wenn du aber keinen Wert darauf legst, gut, dann verschwinde ich eben wieder!“ „Nein! Bitte bleib doch! Ich bin mir zwar sicher, dass ich meine Liste schon sehr gut abgearbeitet habe, aber ich freue mich immer über netten Besuch. Und vielleicht fällt dir ja noch ein, wie die Advents und Weihnachtszeit noch schöner werden kann.“ Das Männchen blickte nun wieder ein wenig vergnügter zu Ela und meinte: „Ja, du könntest Recht haben. Du scheinst wirklich bereits gut vorbereitet zu sein und kannst es offenbar kaum erwarten. Sonst hättest du sicherlich nicht den Duft der Advents und Weihnachtszeit bereits in der Nase. Schön! Dann wäre das jetzt schon einmal erledigt. Aber, was steht denn dort noch auf deiner Liste?“ Ela blickte mit einem Mal bestürzt drein und senkte schuldbewusst den Kopf. „Weißt du, ich habe gar keine Weihnachts-To Do-Liste. Ich habe mir immer alles so gemerkt.“ „Auch gut, dann sag mal, was du schon alles erledigt hast!“ So saßen die beiden zusammen und Ela zählte auf: „Weihnachtsbeleuchtung für die Wohnung, Deko, Kerzen für den Weihnachtsbaum, das habe ich schon. Jetzt fehlt ja eigentlich nur noch der Weihnachtsbaum oder?“ Der Weihnachts-Wicht gluckste vergnügt. „Aber nein, es fehlt doch noch so viel! Überleg mal, vielleicht kommst du ja noch drauf“ Ela grübelte und dachte hin und her und plötzlich leuchteten ihre Augen. „Aber klar, es fehlt noch der Advents-Teller, die Deko dafür, Kerzen und ach ja, für nette Kaffee-Stunden könnten noch Plätzchen gebacken werden. Aber dann müssten wir eigentlich alles haben oder?“

Der kleine Mann überlegte und forderte Ela auf noch weiter zu überlegen. Schließlich zählte sie noch weitere Dinge auf, die für sie die Adventszeit und das Weihnachtsfest erst richtig schön machen würden. Dazu zählte unter anderem natürlich das leckere Essen, was ebenfalls nicht fehlen durfte. Und obwohl Ela nun glaubte ihre Liste abgearbeitet zu haben, fehlte dem Wicht immer noch etwas. „Jaja, natürlich, Geschenke müssen natürlich auch noch sein, aber dann ist es doch perfekt oder?“ Der Wicht schüttelte den Kopf und lächelte geheimnisvoll.

„Gut, ich will dir helfen. Weißt du, was noch viel wichtiger ist, als all das Drumherum, das natürlich zweifelsohne für die gute Weihnachtsstimmung sorgt. Es ist wichtig, inne zu halten und einmal ganz in Ruhe das Jahr an dir vorbei ziehen zu lassen und sich an den schönen Dingen zu freuen, die geschehen sind und über alles andere nachzudenken. Es ist wichtig sich Zeit für den anderen zu nehmen und gemeinsam gemütliche Stunden zu genießen. Dann erst ist die Advents- und Weihnachtszeit perfekt.“ Mit diesen Worten verschwand der Weihnachts-Wicht mit einem zufriedenen Lächeln, denn er wusste, dass Ela das Gesagte auf jeden Fall umsetzen würde.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen 3. Advent. Und vielleicht habt ihr ja auch jemanden und sei er auch noch so klein, der euch hilft, eure Weihnachts-To-Do-Liste abzuarbeiten, damit euer Fest gut gelingen kann.

Einen kleinen Vorgeschmack wie weiße Weihnachten aussehen könnte, gab es ja heute schon.

 

 

 

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